Formen und Ursachen

Haarausfall: Formen, Ursachen und Mythen

Jeder Mensch verliert pro Tag zwischen 70 und 100 Haare. Dies ist völlig normal und kein Grund zur Besorgnis, da diese Haare normalerweise nachwachsen und somit permanent ersetzt werden. Nimmt der Haarausfall jedoch zu, sollten die Ursachen für den Haarverlust abgeklärt werden.

Tipp: Um zu überprüfen, wie viele Haare Sie täglich verlieren, kämmen Sie einfach Ihr Haar rund zwei Minuten über dem Wachbecken. Anschließend zählen Sie die Haare in Kamm und Waschbecken.

Haarausfall geht auf verschiedene Ursachen zurück

Haarausfall kann auf eine Reihe unterschiedlicher Ursachen zurückgehen und in zahlreichen verschiedenen Formen und Ausprägungen auftreten. Um eine gezielte Behandlung einleiten zu können, ist es besonders wichtig zu wissen, um welche Haarausfallart es sich handelt.

Die wichtigsten Arten von Haarausfall

Erblich-hormoneller Haarausfall (Alopecia androgenetica)

Der erblich-hormonell bedingte Haarausfall gilt als die häufigste Ursache für vorzeitigen Haarverlust. Bei dieser Form des Haarausfalls führt eine genetisch bedingte Überempfindlichkeit der Haarwurzel gegenüber dem männlichen Geschlechtshormons Testosteron, genauer gesagt gegen dessen Derivat Dihydrotestosterion (DHT) zu einer nachhaltigen Schädigung der Haarwurzeln und somit zu einem vorzeitigen Ausfallen der Kopfhaare. Die androgenetische Alopezie kommt bevorzugt bei Männern vor, aber da auch der weibliche Körper in geringen Maßen Testosteron produziert, können Frauen ebenfalls von dieser Form des Haarausfalls betroffen sein. Allerdings gehen aktuelle Studien davon aus, dass lediglich zehn Prozent der Frauen vor dem Beginn der Wechseljahre unter dieser Form des vorzeitigen Haarverlustes leiden, während auf der anderen Seite nahezu jeder zweite Mann zu den Betroffenen zählt.

Vererbte Überempfindlichkeit gegen Androgen DHT führt zu Haarverlust

Nach wie vor ist der Irrglaube stark verbreitet, dass der erblich-hormonelle Haarausfall durch eine übermäßig hohe Produktion des Geschlechtshormons Testosteron im Körper ausgelöst wird. Tatsächlich ist jedoch eine vererbte Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegenüber dem Steroidhormon DHT (Dihydrotestosteron) für den frühzeitigen Haarverlust verantwortlich. DHT entsteht bei der Umwandlung von Testosteron (T) mittels des Enzyms 5a-Reduktase. Während der Pubertät zeichnet es für die Vergrößerung der Follikel der Bart- und Achselhaare verantwortlich. Welche Funktion es nach der Pubertät innehat, ist dagegen noch unklar.

Ist DHT in hoher Konzentration in der Kopfhaut vorhanden und besteht gleichzeitig eine vererbte Überempfindlichkeit der Haarfollikel gegen dieses Steroidhormon, verkümmern die Follikel zunehmend. In der Folge fällt die Wachstumsphase (Anagenphase) der nachwachsenden Haare immer kürzer aus und schließlich produzieren die Follikel nur noch kurze, kaum sichtbare Wollhaare (Vellushaare). Diese können entweder bestehen bleiben oder schließlich ganz ausfallen, ohne dass dabei neue Haare gebildet werden.

Neben dem erblich-hormonell bedingten Haarausfall (androgentische Alopezie), sind die am häufigsten verbreiteten Formen des Haarausfalls:

Kreisrunder Haarausfall (Alopecia Areata)

Bislang ist es der Wissenschaft noch nicht vollständig gelungen die genauen Ursachen dieser Form des Haarausfalls zu ermitteln. Eine Alopecia Areata kann bei Frauen und Männern jeden Alters auftreten. Die Hauptursache für das Entstehen des sogenannten kreisrunden Haarausfalls wird nach derzeitigem Forschungsstand auf eine vorliegende Störung des Immunsystems zurückgeführt. Vermutet wird in diesem Zusammenhang, dass körpereigene Immunzellen, die normalerweise die Aufgabe haben den Organismus vor Viren- und Bakterienbefall zu schützen, ihre Abwehrreaktion stattdessen gegen die körpereigenen Haarfollikel richten. Diese Reaktion des Immunsystems führt dabei zu einer Entzündung der Kopfhaut, durch welche nicht nur das Haarwachstum massiv gestört wird, sondern auch das Haar an den betroffenen Regionen abstirbt bzw. in letzter Konsequenz ausfällt. Derzeit gibt es leider keine wirksame Behandlungsmöglichkeit gegen kreisrunden Haarausfall. Bei einigen der Betroffenen klingt die Entzündung jedoch ohne weitere Folgen ab, sodass sich die zwischenzeitlich kahlen Haarpartien wieder vollständig regenerieren können. Die Erkrankung kann jedoch auch weiter fortschreiten, was letztlich zum vollständigen Verlust der Kopfhaare (Alopecia Totalis) führen kann.

Diffuser Haarausfall (Diffuse Alopezie)

Von diffusem Haarausfall spricht man, wenn die Dichte des gesamten Kopfhaares insgesamt kontinuierlich abnimmt. Diese sogenannte diffuse Alopezie tritt häufig in Folge von akuten und chronischen Infekten auf, kann aber auch durch Stress ausgelöst werden. Gleichzeitig kann diese Form des Haarausfalls durch medikamentös bedingte Nebenwirkungen, Störungen des Stoffwechsels (Eiweiß-, Vitaminmangel, Diabetes) oder durch eine Fehlfunktion der Schilddrüse verursacht werden. Insgesamt stellt der diffuse Haarausfall eine sehr weit verbreitete Form der Alopezie dar, wobei besonders häufig Frauen unter dieser Erkrankung leiden.

Haarausfall durch äußere Einwirkung (Traction Alopecia)

Haarausfall kann auch entstehen, wenn das Haar über einen längeren Zeitraum hinweg bestimmten Belastungen ausgesetzt ist. So können Haare beispielsweise durch das Tragen bestimmter Frisuren (z.B. Zöpfe) oder durch das Toupieren der Haare vermehrt ausfallen. Wird die Frisur früh genug geändert, kann das Problem behoben werden. Wird sie dagegen beibehalten, bleibt der Haarausfall bestehen bzw. verschlimmert sich weiter.

Altersbedingter Haarausfall

Altersbedingter Haarausfall geht in erster Linie darauf zurück, dass der Neuwuchs von Haaren mit steigendem Alter immer mehr zurückgeht. Dies hängt damit zusammen, dass ab einem gewissen Alter die Produktion der Wachstumshormone langsam zurückgeht, wodurch ausgefallene Haare nicht mehr nachwachsen bzw. durch neue Haare ersetzt werden können.

Alopecia Totalis und Alopecia Universalis

Einige Formen des Haarausfalls, wie etwa der kreisrunde Haarausfall, können bei den Betroffenen in letzter Konsequenz auch zu einem vollständigen Verlust der Kopfhaares (Alopecia Totalis) bzw. der kompletten Körperbehaarung (Alopecia Universalis) führen. Um diesem vollständigen Verlust der Haare entgegenzuwirken, existiert bis heute noch keine adäquate Therapieform, so dass die Betroffenen häufig nur auf Haarteile oder Perücken zurückgreifen können.

Neben den aufgezeigten Haarausfall-Arten gibt es noch zahlreiche andere Gründe dafür, warum das Kopfhaar zunehmend dünner werden oder ganz ausfallen kann. Hierzu zählen vor allem fiebrige Infekte, Stress- und Schock-Erlebnisse, Nebenwirkungen von Medikamenten sowie Unter- und Mangelernährung. Um die genauen Ursachen für die bei Ihnen vorliegende Form des Haarausfalls herauszufinden, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.